Die Kirche San Pellegrino, eine „Welt“ der Poesie

Chiesetta San Pellegrino

Sie befindet sich nur einen Katzensprung vom historischen Zentrum von Belluno, wurde etwa in der Mitte des 15. Jahrhunderts als Familienkapelle errichtet und war zudem Lieblingsort von Dino Buzzati, der hier auch seine ewige Ruhe fand. Die Rede ist von der Kirche San Pellegrino, altes Oratorium der Familie Sacello und gelegen in Visome, auf der linken Seite des Piave.

Die Kirche San Pellegrino bleibt eingebettet in ihre Umgebung alles andere als unbemerkt: ihre Formen haben etwas Magisches und durch das satte Grün der sie umgebenden Wiesen kommt ihre rote Farbe noch besser zur Geltung. Es fällt nicht schwer zu verstehen, warum Dino Buzzati genau diesen Ort für ruhige Stunden ausgewählt hat, sein Geburtsort, aber auf Lebenszeit auch ein Ort der Ruhe und des Rückzugs.

Villa Buzzati und die Kirche San Pellegrino

Die Kirche San Pellegrino ist ein antikes Oratorium, dessen Anfänge bis in das 16. Jahrhundert zurückreichen. Seine Geschichte ist eng mit der der Familie Sacello verbunden, eine Familie von Apothekern und Notaren, die im Jahr 1547 im Großen Rat von Belluno zugelassen wurde und im Jahr 1735 ausstarb. Ihr auf das Jahr 1532 datierte Familienwappen ist auf dem Glockenturm abgebildet.

Die Villa, welche an die Kirche anschließt, ist Teil des Hof- und Wohnkomplexes der Familie Sacello und wurde im Jahr 1535 erbaut. In seinem Zentrum ließ Cesare Buzzati im Jahr 1811 den bis heute erhaltenen Bau errichten: Er ist eines der besten Beispiele für den romantischen Stil des frühen 19. Jahrhunderts, dem zum Ende des 19. Jahrhunderts auch einige neogotische Züge hinzugefügt wurden.

Das Äußere der Villa ist versehen mit Fresken von Künstlern aus ihrer Entstehungszeit, der bekannteste von ihnen Pompeo Molmenti. Direkt auf der Straße vor der Villa erhebt sich die charakteristisch geprägte Kirche San Pellegrino.

Der ungewöhnliche Aufbau der Kirche San Pellegrino

Wie wir bereits erfahren haben handelt es sich bei der Kirche um ein altes Oratorium aus dem 16. Jahrhundert, erbaut von Jacopo Sacellus.

Aber wie ist sie aufgebaut? Der Grundriss des Gebäudes ist etwas seltsam: Die Kirche  hat einen zehneckigen Kern, umgeben von einem durch den Kirchturm unterbrochenen Umgang. Der Glockenturm befindet sich direkt hinter dem Altar, abgesehen von den drei Seiten, welche in Richtung des Eingangs zur Straße hin weisen. Wieso ein solcher Aufbau? Um den für alle Gläubigen frei zugänglichen Hauptbereich der Kirche von jenem abzugrenzen, der nur den Besitzern der Villa vorbehalten war. Diese konnten der Messe abgeschirmt durch ein hölzernes Gitterwerk beiwohnen.

Vom ursprünglichen Kern des kleinen Sakralbaus – erbaut in etwa in der Mitte des 15. Jahrhunderts – sind einige Überreste in der heutigen Sakristei erhalten geblieben.

Dino Buzzati und die Kirche San Pellegrino

Der Belluneser Schriftsteller Dino Buzzati verbrachte in der an die Kirche angrenzenden Villa die Sommer seiner Kindheit; er liebte sie so sehr, dass er sie auf Lebenszeit zu einem Ort der Zuflucht und des Rückzugs machte. Der Charme des bis heute erhaltenen Bauwerks hatte einen enormen Einfluss auf seine Art seine gesamte Umgebung wahrzunehmen.

(Villa San Pellegrino) ist eines der Fundamente meiner„Welt“, vor allem auch meiner poetischen Sicht auf die Dinge“, sagt der Künstler in einem Interview.

Und weiter: „Dieses Haus, wo ich geboren wurde, diese Wiesen, wo ich laufen gelernt habe, die Sträucher zwischen denen ich die ersten Schlachten mit den Indianern geschlagen habe, die Bilder, die Momente, die Lichter, die Stimmen, von welchen die frühesten Gedanken inspiriert wurden, die erste Begeisterung für das Spirituelle. Von diesen Gräsern, Büschen, Bäumen, Gräben, Pfaden, Mauern, Zimmern, Fluren, Treppen, Büchern, Möbeln, Schobern und Dachböden, von all dem bekam ich meine ersten Poesien..“.

Dino Buzzati wurde am 23. Oktober 1906 in der Kirche San Pellegrino getauft, und genau hier fand der Schriftsteller auch seine letzte Ruhe.

Die Kirche San Pellegrino befindet sich in Via Visome, 16, BL.

Photo Credits: Francesco Sovilla 

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